Wie hängt Darmkrebs mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zusammen?
Im Jahr 2020 erhielten 24.245 Frauen und 30.529 Männer in Deutschland die Diagnose Darmkrebs. Etwa 26.000 Menschen sterben jährlich an dieser Erkrankung. Damit zählt Darmkrebs zu den häufigeren Krebsarten in Deutschland – rund jede neunte Krebsdiagnose betrifft den Darm.

- Wie hängt Darmkrebs mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zusammen?
- Wie entsteht Darmkrebs eigentlich?
- Welche Symptome können auf Krebs hinweisen?
- Wie hoch ist das Risiko, als Patient:in mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa zu erkranken?
- Wie kann ich Darmkrebs frühzeitig erkennen?
- Kann man Darmkrebs vorbeugen?
- Quick-Facts:
Menschen mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leben mit einer bekannten Grunderkrankung, die – abhängig von verschiedenen Faktoren wie Entzündungsdauer und Lokalisation – mit einem erhöhten Risiko für Darmkrebs einhergehen kann. Die medizinischen Leitlinien empfehlen deshalb regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und eine engmaschige Betreuung durch Fachärzt:innen.
Unser Ziel ist es, dich zu stärken: mit Fakten, Hintergrundwissen und verständlich aufbereiteten Empfehlungen – für mehr Sicherheit im Alltag mit CED.
Wie entsteht Darmkrebs eigentlich?
Um zu verstehen, wie Darmkrebs entsteht, ist es hilfreich, zunächst zu klären, was darunter medizinisch verstanden wird und welche Formen es gibt. Die häufigste Form ist das sogenannte kolorektale Karzinom, das im Dick- oder Enddarm – also im letzten Abschnitt des Verdauungstrakts – entsteht. Dabei handelt es sich um einen sogenannten soliden Tumor: Er geht von den Zellen eines einzelnen Organs aus und breitet sich zunächst nur dort aus. Erst im fortgeschrittenen Stadium können sich Tumorzellen über die Blut- oder Lymphbahnen in andere Körperregionen ausbreiten und dort Metastasen bilden.
Seltener kann Darmkrebs auch im Dünndarm oder am Darmausgang auftreten. Darmkrebs entwickelt sich in der Regel über einen längeren Zeitraum. Häufig entsteht er aus zunächst gutartigen Veränderungen der Darmschleimhaut, sogenannten Polypen. Manche Polypen bilden sich von selbst zurück – andere können sich im Laufe der Zeit zu bösartigen Tumoren entwickeln. In diesem Fall wächst der Krebs zunächst lokal, in der Schleimhaut und den umliegenden Gewebeschichten, bevor er sich tiefer in das Darmgewebe und darüber hinaus ausbreitet.
Welche Symptome können auf Krebs hinweisen?
Da Darmkrebs meist langsam wächst, verursacht er über längere Zeit oft keine oder nur unspezifische Beschwerden. Mögliche Symptome, die im späteren Verlauf auftreten können, sind unter anderem:
Als Veränderungen beim Stuhlgang versteht man u.a. häufiger Stuhldrang, Verstopfungen oder ein Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung, auffällige Stuhlbeimengungen wie Schleim oder Blut oder ungewöhnlich dünn geformter Stuhl z.B. so dünn wie ein Bleistift
Weitere Symptome können sein, dass vermehrt ein Völlegefühl auftritt, es zu anhaltenden Blähungen oder starken Darmgeräuschen kommt.
Für Menschen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa ist das eine besondere Herausforderung: Viele dieser Beschwerden gehören ohnehin zum Alltag mit einer CED. Deshalb ist es verständlich, wenn sich Betroffene fragen: Wie soll ich da den Unterschied merken?
Genau hier setzen medizinische Empfehlungen an: Wer eine bekannte chronisch-entzündliche Darmerkrankung hat, sollte regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahrnehmen – unabhängig davon, ob neue Symptome auftreten. Denn nicht jede Veränderung bedeutet etwas Schlimmes, aber es lohnt sich, aufmerksam zu bleiben. Fachärzt:innen können am besten beurteilen, ob Symptome im Rahmen der Grunderkrankung auftreten oder weiter abgeklärt werden sollten.
Wie hoch ist das Risiko, als Patient:in mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa zu erkranken?
Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa haben – abhängig von individuellen Faktoren – ein erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Entzündungsverlauf im Darm.
Bei Colitis ulcerosa betrifft die Entzündung in der Regel ausschließlich den Dickdarm – also jenen Abschnitt, in dem die meisten kolorektalen Karzinome entstehen. Studien zeigen: Etwa 5 von 100 Patient:innen mit Colitis ulcerosa erhalten im Laufe ihres Lebens eine Darmkrebsdiagnose.
Auch bei Morbus Crohn kann das Risiko erhöht sein – insbesondere, wenn der Dickdarm mit betroffen ist. Da sich die Entzündungen hier auf verschiedene Abschnitte des Verdauungstrakts erstrecken können, sind genaue Aussagen zur Häufigkeit schwerer zu treffen. Wichtig ist: Fachärzt:innen können anhand des individuellen Befallsmusters eine passende Empfehlung zur Vorsorge geben.
Wie kann ich Darmkrebs frühzeitig erkennen?
Für Menschen mit Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn gibt es klare medizinische Empfehlungen zur Früherkennung. In beiden Fällen wird zur regelmäßigen Darmspiegelung (Koloskopie) geraten – unabhängig davon, ob akute Symptome vorliegen oder nicht.
Für Patient:innen mFür Menschen mit Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn gibt es klare medizinische Empfehlungen zur Früherkennung. In beiden Fällen wird zur regelmäßigen Darmspiegelung (Koloskopie) geraten – unabhängig davon, ob akute Symptome vorliegen oder nicht.
Für Patient:innen mit Colitis ulcerosa gilt:it Colitis ulcerosa gilt:
1. Vorsorgekoloskopie
Die erste Vorsorgekoloskopie wird acht Jahre nach Auftreten der ersten Symptome empfohlen.
2. Weitere Behandlungsschritte
Danach richten sich die weiteren Intervalle nach dem Ausmaß und Verlauf der Entzündung:
Bei ausgedehntem Befall oder Risikofaktoren: jährlich oder alle zwei Jahre
Auch bei linksseitigem Befall wird meist ein Intervall von ein bis zwei Jahren empfohlen.
Diese Empfehlungen gelten auch für Patient:innen mit Morbus Crohn, sofern der Dickdarm beteiligt ist. Entscheidend ist dabei immer die individuelle medizinische Situation. Sprich mit deinem behandelnden Arzt oder deiner behandelnden Ärztin darüber, ob und wann eine Vorsorgeuntersuchung für dich sinnvoll ist.
Kann man Darmkrebs vorbeugen?
Eine Krebserkrankung lässt sich nicht vollständig verhindern. Es gibt jedoch Lebensstilfaktoren, die nachgewiesen dazu beitragen können, das Risiko zu senken – auch bei chronischen Erkrankungen:
Diese Maßnahmen sind kein „Schutzschild“, aber sie können die allgemeine Gesundheit fördern und potenzielle Risikofaktoren beeinflussen. Auch hier gilt: Es geht nicht um Kontrolle, sondern um informierte Entscheidungen für mehr Sicherheit im Alltag.
Quick-Facts:
Menschen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leben mit einer bekannten chronischen Entzündung im Darm und haben deshalb ein gewisses Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Dieses Risiko ist individuell verschieden und hängt unter anderem von Dauer, Ausbreitung und Verlauf der Erkrankung ab.
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, insbesondere Darmspiegelungen, können dabei helfen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Eine gesund Lebensweise unterstützt zusätzlich das persönliche Wohlbefinden und kann zur Risikominimierung beitragen.
Sprich mit deinem medizinischen Fachteam darüber, welche Vorsorgeschritte für dich sinnvoll sind und wie du deinen Alltag mit CED bewusst und informiert gestalten kannst.

Mikrobiom als Schlüssel – Neue Therapie bei Morbus Crohn
Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED), die das Leben von Millionen Menschen weltweit beeinflusst. Eine bewährte Therapie ist die sogenannte exklusive enterale Ernährung (EEN) – eine spezielle Flüssignahrung, die Patienten für sechs bis acht Wochen anstelle fester Nahrung zu sich nehmen. Diese Methode hat sich als äußerst effektiv erwiesen, doch warum sie hilft, war bisher unklar.

Therapieansätze bei Morbus Crohn auf Grundlage der S3-Leitlinie
Die Therapie von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ist schwierig und hängt von der jeweiligen Schwere der Erkrankung ab. Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind zwei der am weitesten verbreiteten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Die Erkrankung, Morbus Crohn, kann den gesamten Magen-Darm-Trakt betreffen, d. h. sie kann bereits im Bereich der Speiseröhre beginnen und sich bis zum After durchziehen.

Therapie bei Colitis ulcerosa – Aktuelle Behandlungsansätze auf Basis der S3-Leitlinie