J-Pouch, Stoma, Beuteltier: Was ist das und warum ist es für CED-Patient:innen wichtig?

J-Pouch, W-Pouch, Stoma-Beutel? Es gibt viele verschiedene Begriffe im Zusammenhang mit einer Dickdarmentfernung. Doch was bedeutet das? In diesem Beitrag beschäftigen wir uns mit diesen Fragen und klären, was die einzelnen Begriffe bedeuten, welche unterschiedlichen Stomasysteme es gibt und wann ein solcher Eingriff notwendig ist.
- J-Pouch, Stoma, Beuteltier: Was ist das und warum ist es für CED-Patient:innen wichtig?
- Einordnung von Operationen bei CED
- Was genau ist eine Proktokolektomie?
- Was ist der Unterschied zwischen einem Ileostoma und einem ileoanalen Pouch?
- Wann kommt ein Stoma bei der Behandlung von CED zum Einsatz?
- Welches Stoma wird gewählt?
- Welche Stomasysteme gibt es?
- QuickFacts:
- Das könnte dich auch interessieren:
Einordnung von Operationen bei CED
Nicht alle Patient:innen mit Crohn's disease or Ulcerative colitis entwickeln im Laufe ihrer Krankheitsgeschichte einen schweren Verlauf. Nur ein operativer Eingriff kann ihnen in diesem Fall mehr Lebensqualität schenken.
Was genau ist eine Proktokolektomie?
Bei der Proktokolektomie handelt es sich um einen operativen Eingriff, der bei Patient:innen mit Colitis ulcerosa durchgeführt wird. Dabei werden der Dickdarm und das Rektum entfernt und am neu entstandenen Ende ein künstlicher Darmausgang befestigt. Dabei wird zwischen einem Ileostoma und einem ileoanalen Pouch unterschieden.
Was ist der Unterschied zwischen einem Ileostoma und einem ileoanalen Pouch?
Zwar unterscheiden sich die beiden Stomaformen in ihrer Herangehensweise und Art, jedoch nicht in ihrer Funktion. Beide kommen zum Einsatz, wenn der Dickdarm operativ entfernt werden muss.
Beim Ileostoma wird ein künstlicher Darmausgang über die Bauchdecke gebildet. Dazu wird das Ende des Dünndarms, das normalerweise in den Dickdarm übergehen würde, über die Bauchdecke nach oben geleitet. Auf diesem Dünndarmausgang wird ein Beutel angebracht, in dem der Stuhlgang gesammelt und anschließend entsorgt wird. Der Dünndarm steht dabei etwas von der Haut des Unterbauches ab, um diese vor sehr aggressiven Verdauungssäften zu schützen.
Bei einem ileoanalen Stoma wird ein Teil des Dünndarms zu einer Pouch vernäht und anschließend mit dem Anus verbunden, um Toilettengänge zu ermöglichen. Die häufigste Form des ileoanalen Stomas ist der sogenannte J-Pouch. Dabei werden die Enden des Dünndarms so miteinander vernäht, dass sie an den Buchstaben “J” erinnern. Es gibt jedoch auch andere Möglichkeiten, das Dünndarmende miteinander zu vernähen, darunter der S-Pouch und der W-Pouch. Diese haben ihre Namen daher, dass der miteinander vernähte Dünndarm eine Ähnlichkeit zu den jeweiligen Buchstaben aufweist.
Wann kommt ein Stoma bei der Behandlung von CED zum Einsatz?
Die verschiedenen Stomaformen werden unterschiedlich in der Behandlung von CED eingesetzt. Zunächst ist zu erwähnen, dass Stoma-Operationen vorwiegend bei Colitis ulcerosa zum Einsatz kommen, wenn es zu einem therapierefraktären Verlauf kommt. Therapierefraktär bedeutet, dass vorherige medikamentöse oder komplementärmedizinische Behandlungen nicht erfolgreich waren.
Welches Stoma wird gewählt?
Bei einer Operation hängt die Wahl der richtigen Stomatherapie von der Dringlichkeit und der individuellen Krankheitsgeschichte der Patient:innen ab. Bei Notfallsituationen, wie beispielsweise einem Darmriss, bei dem die Darminhalte in den Bauchraum gelangen könnten, oder bei Krankheitsschüben mit therapierefraktärem Verlauf, wird ein dreizeitiges Vorgehen gewählt, um den Magen-Darm-Trakt der Patient:innen so schonend wie möglich zu behandeln.
Das dreizeitige Verfahren bei einer Stoma-Operation
Dabei wird zunächst der Dickdarm entfernt und ein Stoma angelegt. Der Stomabeutel wird am Ende des Dünndarms befestigt. Der Dünndarm wurde zuvor über die Bauchdecke nach außen geführt, sodass die Inhalte des Darms direkt in den Beutel abfließen können. Sechs Monate später wird eine weitere Operation vorgenommen, bei der aus dem Ende des Dünndarms ein J-Pouch geformt und mit dem After verbunden wird. Der Stomabeutel bleibt zunächst bestehen, damit der J-Pouch ausheilen kann. Erst nach weiteren drei Monaten wird das Stoma zurückverlegt, das heißt, der Dünndarmausgang wird wieder in den Bauchraum verlegt. Der Patient oder die Patientin kann dann wieder die Toilette benutzen.

Das zweizeitige Verfahren bei einer Stoma-Operation

Bei Operationen, die weniger Dringlichkeit erfordern, wird häufig das zweizeitige Verfahren angewendet. Dabei wird in einem ersten Schritt der Dickdarm entfernt und ein Stoma über die Bauchdecke gelegt. Gleichzeitig wird das Ende des Dünndarms zu einem J-Pouch vernäht und mit dem After verbunden. Nach drei Monaten wird das Stoma dann wieder in den Körper zurückverlegt. Anschließend können die Betroffenen wieder normal die Toilette benutzen.
Welche Stomasysteme gibt es?
Wenn du kurz vor einer Stoma-Operation stehst, ist es wichtig, sich darüber zu informieren, wie Stomas funktionieren. Im Wesentlichen besteht jedes Stomasystem aus einer Hautschutzplatte und einem Beutel. Dennoch gibt es kleine Unterschiede zwischen den einzelnen Systemen.
Ein einteiliges Stomasystem besteht zwar auch aus einer Hautschutzplatte und einem Stomabeutel, allerdings ist der Beutel dabei fest an der Hautschutzplatte angebracht. Dadurch ist der Beutel insgesamt flacher und fällt nicht unter der Kleidung auf. Allerdings muss das einteilige Stomasystem ein- bis dreimal täglich komplett entfernt und ausgetauscht werden.
Beim zweiteiligen System, das aus einer Hautschutzplatte und einem abnehmbaren Stomabeutel besteht, wird der Beutel, der die Ausscheidungen auffängt, gewechselt. So muss lediglich der Beutel ein- bis dreimal am Tag gewechselt werden, ohne dass die Hautschutzplatte ausgetauscht werden muss. Die Hautschutzplatte kann bis zu drei Tage auf dem Bauch bleiben, bevor sie wieder gewechselt werden muss.
QuickFacts:
- Die Proktokolektomie wird bei Colitis ulcerosa angewendet.
- Eine Proktokolektomie wird bei Colitis ulcerosa jedoch nur durchgeführt, wenn medikamentöse und komplementärmedizinische Therapien keine Verbesserung der Symptome bewirken.
- Stomas können endständig sein und somit eine dauerhafte Lösung für CED-Patienten und -Patientinnen darstellen. Sie können jedoch auch temporär eingesetzt werden, um Operationsnarben schneller verheilen zu lassen oder damit sich Bereiche des Darms erholen können.
- Neben der J-Pouch gibt es noch andere Methoden, um das Ende des Dünndarms nach einer Proktokolektomie mit dem After zu verbinden. Beispielsweise der W- oder der S-Pouch.
- Es gibt verschiedene Methoden, um den Stomabeutel zu wechseln. Dabei wird zwischen einteiligen und zweiteiligen Stomasystemen unterschieden. Welches System sich am besten eignet, hängt von individuellen Faktoren ab – etwa Hautbeschaffenheit, Alltag oder motorischer Beweglichkeit – und sollte gemeinsam mit dem medizinischen Fachpersonal entschieden werden.
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